KOMPASS | Ausgabe 1/2026
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PETER KLOTZKI

RA Peter Klotzki ist seit 2019 Hauptgeschäftsführer des
Bundesverbandes der Freien Berufe e. V.

Nach seinem Jurastudium war er u. a. als Referent eines MdB tätig, bevor ihn seine weitere berufliche Laufbahn zum Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), zur Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), zu Gesamtmetall und zum Verband Deutscher Zeitschriftenverleger führte.

peter.klotzki@freie-berufe.de www.freie-berufe.de

Die Herausforderungen verlangen nach einer starken politischen Antwort

Interview mit Peter Klotzki, Berlin

D ie Bundesregierung ist mit großen Versprechungen gestartet – die Enttäuschung über das bislang Geleistete ist vor allem im Mittelstand groß. Vieles erscheint zu zaghaft, manches nicht ausgereift – hinzu kommen Ungereimtheiten wie die Aktivrente, die nur für sozialversiche rungspflichtige Beschäftigte gelten soll, nicht aber für Selbstständige, als wäre es nicht auch hier nötig, Anreize für eine längere Lebensarbeitszeit zu schaffen. Wir sprachen mit Peter Klotzki, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB), über die aktuelle politische Lage und die Situation der Freien Berufe.

STBVSH | Herr Klotzki, Rentnerinnen und Rentner, die weiterarbeiten wollen, sollen belohnt werden. Aktivrente nennt sich das Modell der Koalition. Damit soll auch dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Freiberufler wie auch Soloselbstständige sind davon aber ausgenommen. Wieso diese Schlechterstellung von Freiberuflern und ist das aus Ihrer Sicht haltbar?

PETER KLOTZKI | Die Ungleichbehandlung ist eine Enttäuschung mit Ansage für Selbstständige. Die Begründung der schwierigeren Fest stellbarkeit des Renteneintrittsalters ist fast schon provozierend. Die fehlende Berücksichtigung dieser wichtigen Gruppe verschenkt deren Potenzial, länger zu arbeiten und an zentralen gesellschaftlichen Stellen die Versorgung etwa mit heilberuflichen Leistungen zu erhalten.

Zudem ist es ein weiteres Zeichen der Ge ringschätzung, die sich wie ein roter Faden durch die Bundesregierungen zieht, egal wel cher politischen Richtung. Weitere Bei spiele der Schlechterbehand lung von Selbstständigen waren der Inflationsausgleich nur für Angestellte, die höheren Prämien bei geringeren Leistungen in der freiwilligen gesetzlichen Kranken- und der Arbeitslosenversicherung sowie die fehlende Gleichstellung beim Mutterschutz. Obwohl vom EuGH angemahnt, ignorieren die politisch Verantwortlichen diese Verpflichtung. Ohne Selbstständige wird es irgendwann auch keine Arbeitgeber außer den staatlichen geben. Aktuell werden Selbstständige in der freien Wirtschaft zerrieben von staatlicher bürokratischer Gängelei auf der einen und dem Vor dringen von industriell-gewerblichen Fonds sowie Investoren auf der anderen Seite. Für eine gesellschaftliche Zufriedenheit und Stabilität und auch Krisenresilienz hilft die kleinteilige flächendeckende Struktur dezentraler wirtschaftlicher Einheiten, die nicht weiterziehen, wenn die Rendite schwindet; sie geben Vertrauen und Sicherheit – aber das scheint politisch nicht verstanden zu werden, zum eigenen Nachteil.

Was tut der Bundesverband der Freien Berufe aktuell, um hier auf eine Steuergerechtigkeit hinzuwirken, und wie schätzen Sie die Erfolgs-aussichten ein?

PK | Wir haben uns schon Mitte 2024 – lange vor Entstehung des Begriffs der Aktivrente – politisch für eine Mobilisierung älterer Expertinnen und Experten eingesetzt, weil die Nachfrage nach frei beruflichen Leistungen auf ein zu geringes Angebot stößt. Als der Gesetzesentwurf nur die Angestellten vorsah, haben wir nach innen mobilisiert und nach außen adressiert. In zahlreichen Ge sprächen mit der Politik – von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche über Kanzleramtschef Thorsten Frei bis zu Bundesarbeits- und -sozialministerin Bärbel Bas – haben wir die Einbeziehung der Selbstständigen gefordert und begründet. Unsere Position dazu haben wir auch sichtbar medial vertreten.

Am 14. Juli wurde der Abschlussbericht der „Initiative für einen handlungsfähigen Staat” veröffentlicht, an dem auch der BFB mitgewirkt hat (siehe Infokasten). Vieles bleibt dabei im Allgemeinen. Wie sehen Sie die Chancen auf Umsetzung zumindest einiger der Anregungen und was würde dies für die Freien Berufe konkret bedeuten?

PK | Die Grundbotschaft lautet hier ja: Der Staat hat sich übernommen mit Zusatzaufgaben und schafft trotz immer mehr Personal seine Kernaufgaben nicht, auf die es aber für die Demokratieakzeptanz ankommt: Bildung, Infrastruktur, Sicherheit. Eine Entlastung des Staats ist aber möglich durch Priorisierung, durch Fokussierung, durch Straffung der Bürokratie und durch Delegation. Freiberuf liche Expertinnen und Experten stehen dafür zur Verfügung und können mit größerer Effizienz entlasten – so weit der operative Teil.

Zugleich können sie konstruktiv bei der Rückkehr zu einem schlan keren Staat beratend helfen. Ich denke da konkret an ein gutes Beispiel aus Ihrem Berufsstand: Wieso wird die Katastervermessung in Bayern ausschließlich durch Ämter durchgeführt? Bayern ist das einzige Bundesland, in dem es keine ÖbVI gibt. Wieso?

Die Bundesregierung ist mit großen Verspre chun gen gestartet, insbesondere Friedrich Merz hatte sich viel vorgenommen. Bei vielen Menschen macht sich aktuell Ernüchterung angesichts der Ergebnisse breit. Stehen wir nach einem Herbst der Reformen vor einem Reformwinter? Wie schätzen Sie die Situation im Detail ein?

PK | Die Enttäuschung ist vor allem im Mittelstand groß. Die Kombination aus bürokratischer Gängelung, den weltweit höchsten Energiekosten und zudem ebenso maximalen Unternehmenssteuern, verbunden mit der offensiven Zollpolitik und Expansion der Produktion in China, verlangt eine kräftigere Antwort, als sie die Bundesregierung gibt. Die Folgen, Insolvenzen und stille Geschäfts auf ga ben, sind nicht zu übersehen, womit die Basis für Wohlstand und Zukunftsaufgaben schmilzt. Stattdessen wird „draufgesattelt” mit Tariftreuegesetzen und nicht zu Ende gedachten Rentenpaketen. Viele Menschen in den Freien Berufen dagegen kämpfen mit Überlast in der Nachfrage und mit Fachkräftemangel. Politische Glaubwürdigkeit geht auch verloren, weil die Regierungs praxis in großem Widerspruch zu den Wahlversprechen und Zu sagen, ge rade auch gegenüber den Freien Berufen, steht. Die gesamte Si tuation bedarf einer Auflösung, die ein klares Aufbruchsignal setzt und gemeinschaftliches Handeln stärkt – eine Aufgabe, die politische Führungen in solchen Krisen grundsätzlich übernehmen sollten.

Wenn man aktuelle Studien zu Berufswünschen junger Menschen liest, steht die Selbstständigkeit nicht sehr weit oben auf der Wunschliste. Jeder vierte Studierende möchte im öffentlichen Dienst arbeiten, gleichzeitig kann sich jeder Zweite laut einer aktuellen Untersuchung der Bertelsmann Stiftung vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. Wie passen diese doch sehr unterschiedlichen Ergebnisse Ihrer Meinung nach zusammen? Oder anders gefragt: Ist es doch nicht so schlecht bestellt um den Unternehmergeist des Nachwuchses?

PK | Es ist faszinierend zu sehen, welchen Geist der Freiheit, Mut und Verantwortung junge Gründerinnen und Gründer in den Freien Berufen haben, zuletzt erlebt beim ersten „Tag der Jungen Freien Berufe” des BFB Anfang November dieses Jahres oder davor auch immer wieder bei den Gründerinnenkonferenzen des BFB, zusammen mit dem Verband der Unternehmerinnen (VdU). Bei den Freien Berufen sind es vor allem Frauen, die gründen – deren Anteil liegt bei über 55 %. Ein Motiv ist die besser gewordene Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben durch Selbststän dig keit, durch neue und moderne Formen der Arbeitsorganisation und Offenheit für Kooperationen. Die verdient auch aus volkswirtschaftlichen Gründen Aufmerksamkeit und Unterstützung. Leider bleiben politische Erklärungen und Versprechen für eine bessere Vereinbarkeit bei Mutterschutz und Elterngeld – vergleichbar zum Niveau Angestellter – Lippenbekenntnisse. Die aktuelle Bundesregierung hat noch die Chance, sich hier Ver dienste zu erwerben.

Wie kann man junge Menschen heute von der Selbstständigkeit überzeugen oder: Mit welchen Argumenten würden Sie persönlich Ihre Kinder von den vielen Vorzügen einer freiberuflichen Tätigkeit überzeugen?

PK | „Du” schaffst etwas Eigenes, machst „dein Ding” mehr als Ange stellte, kannst zu gesellschaftlich wichtigen Fortschritten beitra gen, und wenn man im Team gründet, umso besser ist die Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben ausgeprägt. Die Flexibilität der Selbstständigkeit wird erheblich unterschätzt.

Die Freien Berufe – egal ob Steuerberater, Ärzte oder Apotheker – stehen an gesichts des demografischen Wandels vor enormen Herausforderungen. Was kann aus Ihrer Sicht die Politik konkret tun, um die Rahmenbedingungen dahin gehend zu ver bessern, dass auch in Zukunft die Bevölkerung flächendeckend mit den entsprechenden frei beruflichen Leistungen versorgt werden kann?

PK | Diesen agilen, kleinteiligen und flächendeckenden Strukturen – ob Architektin, Apotheker, Ärztin, Datenschützer, Steuerberaterin oder Wirtschaftsprüfer, Psychotherapeutin oder Rechtsanwalt – Luft und Raum, also Freiheit geben. Sie machen lassen, statt sie mit Bürokratie- und Dokumentationspflichten zu drangsalieren und Ressourcen zu verbrauchen. Genauso sollte die Politik die Finger von immer mehr radikal auf Rendite getrimmten Fremdinvestoren lassen, die in den Markt der Freien Berufe drängen – ob bei Apotheken, Bauingenieurinnen und -ingenieuren, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, Steuerberaterinnen und Steuerberatern. Erfahrungsgemäß investieren diese in lukrative Regio nen und Felder, vernachlässigen den ländlichen Raum und ziehen weiter, wenn die Rendite nicht mehr stimmt.

Solches „cherry-picking” baut die Zugänge freiberuflicher Leistungen in der Breite ab, führt zu schlechterer Versorgung und be schleunigt die Unzufriedenheit der Menschen mit der Demokratie als bestem System. Dass gerade in dieser Bundesregierung die Tore aufgemacht werden für diese Gefahr, ist an Kurzsichtigkeit nicht mehr zu überbieten.

Oft wird im Zusammenhang mit der Bundes politik abfällig von der „Berliner Blase” gesprochen. Gibt es die wirklich und wie sieht eigentlich Ihr Tagesablauf als Hauptgeschäftsführer der Freien Berufe und damit als einer der wichtigsten Vertreter der vielen Freiberuf lerinnen und Freiberufler im Lande aus?

PK | Es ist eine Erfahrung als Hauptgeschäftsführer im Kontakt und beim Gespräch vor Ort mit den Landesverbänden der Freien Berufe, dass hier eine pragmatischere Hemdsärmeligkeit von Landes regie run gen und -parlamenten zu spüren ist. Unmittelbare Sach- und Volks nähe hinterlassen ihre Wirkung zum Vorteil einer Pro ble m orien tierung über die Parteien hinweg, die in Koalitionen oder auch ohne kooperativer wirken. Die Nöte und Engpässe bei Themen wie Haushalt, Wohnraum, Investitionen hinterlassen unmittelbaren Druck und Rechtfertigungs-„Zwang” gegenüber den Betroffenen, die direkter erlebt werden.

Dies ist bei manchem Nachteil des Föderalismus sicher ein Vorteil. Viele der Mitglieder des Bundeskabinetts haben solche Erfah rungen in der Kommunal- oder Landespolitik gemacht, u. a. als Bürger meister, und das ist zu spüren. Aus meinen Erfahrungen müssten die Verantwortlichen in Bundesregierung und Bundestag bei die sen besonderen innen-, außen- und sicherheitspolitischen Herausforde rungen geschlossener agieren – mit einer Priorisierung dessen, was alles andere trägt: Wirtschaft, Mittelstand und Freie Berufe.

Fragmentierung – wir sehen es nicht zuletzt anhand der Wahlergebnisse – und Digitalisierung sind die großen Trends der Gegenwart. Wie verändern sich vor diesem Hintergrund die Aufgaben von Berufsverbänden und welche Rolle wird der BFB künftig einnehmen müssen, um die Interessen der Freien Berufe wirkungsvoll zu vertreten? PK | Verbände haben eine doppelte Integrationsfunktion. Sie müssen zum einen die bei vielen Schnittstellen dennoch oft auseinander driftenden einzelnen Mitgliedsorganisationen „zusammenhalten”, zum anderen diese Ansichten nicht polarisierend, sondern integrierend an die politischen Ansprechpartner vermitteln. Diese Aufgabe ist aktuell sicher so anspruchsvoll wie selten zuvor. Zum einen nimmt die Ablehnung „der Politik” und der Politiker, ja sogar der demokratischen Ordnung zu, zum anderen nimmt die gesellschaftliche Solidarität aufgrund der Individualisierung und Er mutigung, Partikularinteressen ohne Rücksicht auf andere zu vertreten, ab. Der Blick fürs „große Ganze” und für den Erhalt eines Systems, das auf Kompromiss beruht, geht verloren.

Der BFB moderiert nach innen, stellt das „gemeinsame Schicksal” aller Berufsgruppen angesichts der Herausforderungen durch Di gitalisierung und KI, durch Fremdinvestoren, Europäisierung, Fach kräftemangel und Rückgang der Selbstständigkeit heraus und versucht die gemeinsame Identität zu stärken, die allen eine bessere Ausgangsposition bei der Vertretung der Anliegen gibt. Zum anderen hat der BFB gegenüber den politischen Verantwortlichen immer einen „Angebotskurs” statt eines konfrontativen Kurses einge schlagen – es sind die besonderen Leistungen bei der Integration, bei der Krisenbekämpfung (Corona, Flut etc.), bei der Gewinnung von Resilienz gegenüber äußeren und inneren Bedrohungen.

Ganz konkret hervorzuheben ist das Projekt „DemokratieCampus”, mit dem der BFB die Vorteile der Demokratie an Schülerin nen und Schüler oder Stipendiatinnen und Stipendiaten heranträgt, für einen offenen Diskurs, für eine Debattenkultur und Freiheit eintritt, indem er vor allem Zeuginnen und Zeugen sprechen lässt – wie eine hochanerkannte Auslandskorrespondentin oder den Nachfahren eines Widerstandskämpfers. Die Freien Berufe erzeugen Freiheit, und sie sind ohne Freiheit nicht denkbar.

Wichtig ist aber auch immer das Engagement der Berufsträgerin nen und -träger selbst. Denn jeder Verband lebt davon, dass sich möglichst viele in die Arbeit einbringen. Das gilt umso mehr für die Berufsgruppen, die nicht die gleiche öffentliche Aufmerk samkeit genießen wie die oftmals im Fokus stehenden Schlüssel industrien.

Das Interview mit Peter Klotzki führten Lars-M. Lanbin und Dr. Yvonne Kellersohn.







ABSCHLUSSBERICHT DER INITIATIVE FÜR EINEN HANDLUNGSFÄHIGEN STAAT

Die Initiative geht auf die vier Initiatoren Julia Jäkel, Thomas de Maizière, Peer Steinbrück und Andreas Voßkuhle zurück. Diese haben gemeinsam mit Experten Vorschläge für eine Staatsreform erarbeitet.

Ihr Abschlussbericht wurde am 14. Juli 2025 an Bundespräsi -dent Frank-Walter Steinmeier übergeben. Er umfasst 35 kon -krete Empfehlungen, erstellt von rund 50 Expertinnen und Ex perten in sieben Arbeitsgruppen. Die Themenfelder reichen von Gesetzgebung und Föderalismus über den digitalen Staat und Verwaltung bis hin zu Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit, Datenschutz, Soziales und Bildung. Zentrale Zielsetzung: den Staat handlungsfähiger machen – weniger Bürokratie, klare -re Zuständigkeiten, mehr Bürger- und Nutzer orientierung, effizientere Verwaltung. „Der Wille, dieses Land zu verändern und eine Staatsreform anzugehen, durchzieht den gesamten Koalitionsvertrag”, heißt es im Abschlussbericht. Ein großer Teil der Empfeh lun -gen der Initiative finde sich im Koalitionsvertrag wieder, das neu geschaffene Ministerium für Digitales und Staatsmoder -nisierung beispielsweise. Ebenso machen die Initiatoren Vor-schläge zur Einwanderung von Fachkräften. Der Zugang zum Arbeitsmarkt müsse beschleunigt und die Integration erleich -tert werden. Dazu sollen beispielsweise verschiedene Behör-denleistungen in einem digitalen „One-Stop-eGovernment” zusammengeführt werden.

Auch wenn die Freien Berufe nicht explizit als Schwerpunkt behandelt werden, lassen sich aus mehreren Empfehlungen konkrete Auswirkungen auf die Freiberufler ableiten. Einige Themenfelder sollen daher genauer betrachtet werden:


1 | Entbürokratisierung & Regulierung

Im Bereich Gesetzgebung plädiert die Initiative u. a. für gründ -lichere, integrativere, transparentere und vollzugsorientiertere Verfahren sowie für innovationsoffene und ausnahmefreundliche Gesetze. Auch der Aufwand für die Umsetzung und Erfüllung ge-setzlicher Vorgaben solle aus Sicht der Initiative minimiert werden. Potenziell weniger administrative Lasten, einfachere Genehmi-gungsverfahren und weniger Hürden durch Regularien bieten auch für Freiberufler Entlastungspotenzial. Vorgeschlagen werden u. a. »Experimentierklauseln«, mit denen Verwaltungen Regelun -gen zeitlich begrenzt aussetzen oder anpassen könnten. Außer-dem sollen die Bündelung von Zuständigkeiten und die Reduzie-rung von Nachweis- und Aufbewahrungspflichten vorangetrieben werden.


2 | Digitaler Staat & Verwaltung

Ein Schwerpunkt wird auf die Digitalisierung von Verwaltungspro-zessen gelegt. Für die Freien Berufe könnte das bedeuten: verein-fachter, schneller Zugang zu Behördenleistungen, verbesserte Nutzerfreundlichkeit und geringere Barrieren – insbesondere für kleinere Praxen und Büros. In ihrer intermediären Rolle zwischen Bürger und Staat könnten Freiberufler durch medienbruchfreie, digitale Bearbeitung und Kommunikation mit dem Staat besonders profitieren. Ziel ist es zudem, Verwaltungsprozesse so zu ge-stalten, dass sie Alltagsbedürfnisse effizient erfüllen.


3 | Wettbewerbsfähigkeit & Innovation

Der Bericht beschreibt einige konkrete Bedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu stärken. Auch für den Bereich Planungs- und Vergaberecht hat die Initiative Ver-besserungsvorschläge erarbeitet, u. a. wird eine Angleichung der Vergaberegeln der Länder mit dem Ziel eines zentralen Vergabe -gesetzes und -portals angeregt, wie es in anderen EU-Ländern be-reits existiere. Die Initiative spricht sich außerdem für eine deutliche Anhebung und Vereinheitlichung der Schwellenwerte für Direkt -vergaben und freihändige Vergaben aus. Vereinfachte und ent -bürokratisierte Vergabeverfahren könnten insbesondere auch für kleinere Freiberuflereinheiten einen besseren Zugang zu staat-lichen Aufträgen bieten. Eine innovationsfreundlichere Regulierung an der Schnittstelle zwischen Forschung und Wirtschaft kann den Freien Berufen ebenfalls entgegenkommen.


4 | Föderalismus & Zuständigkeiten

Die Initiative spricht sich dafür aus, die Aufgaben zwischen Bund, Ländern und Kommunen klar zu ordnen und den Ländern die Be-fugnis einzuräumen, gemeinsame rechtsverbindliche Beschlüsse zu fassen. Zudem seien neue Regelungen für die digitale Bund-Länder-Zusammenarbeit zu schaffen. Für die Freien Berufe könn-ten sich, neben mehr Rechtssicherheit, vor allem einheitlichere Rahmenbedingungen ergeben – im Fachrecht, bei Zulassungs- und Berufsordnungen oder landesübergreifenden Regelungen.


5 | Nutzerorientierung & Vertrauen

Der Staat müsse wieder stärker Vertrauen schaffen und nutzer-zentrierte Staatsdienste bieten. Für Freie Berufe ergibt sich die Chance, stärker in partizipative Prozesse eingebunden zu wer-den – etwa durch Bürgerräte oder Expertenforen. Ein hand-lungsfähiger Staat kann effizienter mit freiberuflich Tätigen zu-sammenarbeiten, etwa bei Genehmigungs- oder Prüfverfahren.


6 | Datenschutz

Mit Blick auf den Datenschutz plädiert die Initiative dafür, Ver-antwortlichkeiten zu straffen, Anwendungsbereiche zu redu-zieren und Regeln zu lockern.

Einschätzung: Bedeutung für Freie Berufe
Freiberuflerinnen und Freiberufler können die Reformimpulse als Chance begreifen: weniger Bürokratie, mehr digitale Ver-fahren, klarere Zuständigkeiten. Berufsverbände sollten die Umsetzung aufmerksam begleiten und ihre Interessen aktiv in Reformdialoge einbringen, um sicherzustellen, dass spezifische Anliegen der Freien Berufe berücksichtigt werden.



Quelle: BDVI | FORUM, Heft 4/2025